Farbe ist Kraft – Kraft ist Leben! - ein Porträt über die Malerin Margit Kugele
Betrachtet man das Gesamt-Oeuvre von Margit Kugele und sucht eine Stil-Einordnung, so erscheint schnell das Stichwort „Phantastischer Realismus" vor Augen.
Eine Kategorisierung nicht im eigentlich akademischen, aus dem historischen zu erklärenden Sinne, jedoch im Sinne einer Komposition von realen und phantastischen Elementen der Kugeleschen Malerei. So
verwundert es denn auch nicht, dass Marc Chagall als großes Vorbild gilt, der große Mann des Surrealismus, der mit seinem Schaffen eine Fülle von Anregungen für die späteren Vertreter des
phantastischen Realismus gegeben hat.
Als die Künstlerin 1962 zu Welt kommt, sind ihr für ihre spätere künstlerische Berufung gute Aussichten in die Wiege gelegt: Der Vater ist Malermeister mit kreativen Ambitionen, ihre Umgebung somit
von Kindesbeinen an geprägt durch sinnliche Eindrücke von Farben und deren Düften. Früh ergibt sich daraus ein eigenes Erproben im Bereich künstlerischer Techniken, verbunden mit Erfolgen im
Kunstunterricht in der Schule; dennoch wird es seine Zeit brauchen, bis Margit Kugele über einen beruflichen Umweg ihre Bestimmung als freischaffende Künstlerin findet.
Im Zentrum des Darstellungskanons von Margit Kugele befinden sich Gesicht oder Figur, in Verbindung mit Pflanzen- oder Tierelementen. Sie setzt dieses Gesichter oder Figuren - dabei handelt es sich
ausschließlich um weibliche Gesichter oder Figuren - in mythische oder imaginäre Szenenzusammenhänge, nicht fotorealistisch interpretiert, sondern als poetische, pralle Lebenslust ausstrahlende
Variante gemeint, vielleicht hier und da gar als Metapher oder Allegorie.
Die Bilder der Künstlerin sind sowohl von Eindeutigkeit als auch von Mehrdeutigkeit geprägt: Da sind zum einen die prägnanten Frauenköpfe, die schon durch ihre Betitelung und die jeweiligen
Pflanzen,- Blumen,- und Tierzuordnungen, in Form von Kopfschmuck oder Accessoires, dem Betrachter die Absicht der Malerin deutlich vermitteln und auf Anhieb erkennbar machen.
Da gibt es aber auch die anderen Umsetzungen, z.B. die dem Betrachter geheimnisvoll anmutenden weiblichen Akte, die sich erotisch räkeln oder in verführerischer Pose auf einen schachbrettartigen
Untergrund gemalt sind.
Es liegt nahe, sich hier die vielfältigsten Assoziationen zu gestatten: Das Schachbrett (Basis für das königliche Spiel) als Symbol für die von Strategie und kopfbestimmte Männerwelt, in die die
„zerbrechliche" Frau hineingeworfen ist und dennoch ihre eigene Macht dagegenhält durch ihre Weiblichkeit, ihre Verführungskunst, durch Intensität von Gefühlen und Vergegenwärtigung des
Schönen.
Die einzelnen Werkblöcke, die die Künstlerin seit ihrer konkreten beruflichen Befassung mit der Malerei geschaffen hat, bringen sicherlich eines zum Ausdruck: Die Verknüpfung von Wärme und
Sinnlichkeit mit der Urkraft Leben und der ausgeprägten Liebe zur Natur.
Dies wird vor allem durch die Farbpalette deutlich, die Margit Kugele bevorzugt. R o t steht im Mittelpunkt des malerischen Geschehens, und zwar die Farbe, die per se schon die beschriebene Intention
symbolisiert, nämlich die Versinnbildlichung von Wärme, Leidenschaft, Temperament, Sinnlichkeit - eben Leben. Ein zusätzlich favorisiertes sattes Blau oder Grün setzen dem Rot oft einen Kontrast
entgegen, ergänzen sich aber dennoch zu einem harmonischen Ganzen. Hier gilt der französische Expressionist Henri Matisse als Vorbild, der mit seiner klaren deutlichen aber auch kontrastierenden
Farbgestaltung ein wichtiges Kapitel der Kunstgeschichte geschrieben hat.
Die von Margit Kugele beabsichtigte Wirkung wird noch zusätzlich durch die Ölmalerei verstärkt. Mehrere Schichten werden bei der von ihr entwickelten Technik lasierend übereinander auf den mit
Leinwand bespannten Malgrund aufgetragen.
Ein Format von 80 x 100 cm oder auch schon einmal größer, scheint der Künstlerin am ehesten für ihre beabsichtigte Darstellungsform geeignet. Margit Kugele versteht sich selbst nicht als die intuitiv
spontan malende Künstlerin: „Zunächst entwickelt sich eine Idee in meinem Kopf, und wenn ich dann dieses `Kopfbild´ in meinen Gedanken fertig gemalt habe, dann erst schreite ich zur Tat!"
Elemente des Porträts scheinen der Betrachterin vertraut: Es weist Ähnlichkeit mit den Zügen der Künstlerin auf. Erkennbar wird eine außergewöhnliche Umsetzung des Themas „Selbstporträt", verknüpft
mit psychologischer Ausdeutung - das Bild als geschaffener Ich-Ort, das trotz Fehlens jeglicher Geste und jeglicher Bewegung eine Geschichte erzählt. Diese Geschichte malt Margit Kugele zwar
verschlüsselt, aber ihre Begründung für ihre Malerei, ihre Intention, ihr Credo sind deutlich und klar: Farbe ist Kraft - Kraft ist Leben!
Maria-Gabriele Rathje, Kunsthistorikerin, freischaffend
Margit Kugele
